Einmal im Leben die Alpen überqueren - Hype oder (Alb)traum?
- kathreinjane
- 15. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Der Mann aus dem Eis, Hannibal, Goethe,... wer die erste Alpenüberquerung gemacht hat, lässt sich retroperspektiv schwer sagen. Woher der Hype nach Alpenüberquerungen kommt schon eher. Versuchen wir es so: Mal nicht erreichbar zu sein, die Natur genießen und auf dem Weg Dinge sehen, die sonst an einem vorbeirauschen. Ohne Handyempfang, den Kampf gegen den inneren Schweinehund auf sich nehmen um auf dem Weg zu sich selbst und dem wirklich Wichtigen im Leben anzukommen. "In sieben Tagen über die Alpen – ohne Vorerfahrung“. Klingt verlockend, gekauft!
"Für wen ist eine Alpenüberquerung überhaupt machbar?", diese Frage diskutieren wir Bergwanderführer nach jeder Saison untereinander und auch mit Reisebüros und Agenturen.
Grundsätzlich kann jeder mit einer Grundfitness eine Alpenüberquerung bewältigen. Jemandem der sich selber nicht einschätzen kann und zum ersten Mal auf Alpenüberquerung geht, entscheidet sich am besten für eine gemütliche Variante. Erfahrener können sich auch an anspruchsvollere Etappen wie den Europäischen Fernwanderweg E5 wagen.
Das Bild zurechtrücken
Ich habe bereits mehrere hundert Menschen durch die Alpen geführt, diese Fragen kommen immer wieder: „Ich bin nicht schwindelfrei – warum ist das überhaupt notwendig?“
„Mein Schuh ist nur Kategorie A, reicht das nicht?“
„Was ist ein Hüttenschlafsack? Gibt es keine Einzelzimmer?“ - zugegeben, diese Frage ist eher selten.
„Ich brauche vegane, laktosefreie und glutenfreie Verpflegung – geht das auch in den Hütten?“
Spätestens jetzt wird klar wer bereits in den Bergen unterwegs war, wer Wind und Regen durchwandert hat und in einer Hütte mit 30 anderen Menschen in einem Matratzenlager (nicht) durchschlafen konnte.

Die Realität
Das Bild draußen sieht meistens anders aus als unsere Vorstellung.
Gelände: Schmale, ausgesetzte Steige, Geröllfelder, steile An- und Abstiege. Schwindelfreiheit, ist auch beim Transport mit der Seilbahn praktisch.
Wetter: Sonne, Regen, Nebel und Schneefall können auch im Sommer an einem Tag wechseln. Eine Woche durch den Regen die Alpen zu durchqueren kann auch den größten Optimsten zermürben, gekommen sind ja auch alle um die schönen Berge zu sehen und das in zumeist trockenen Schuhen.
Ausrüstung: Gute Bergschuhe der Kategorie B oder C sind Pflicht, ebenso Regenkleidung, Stöcke, Kartenmaterial. Billige Sportschuhe oder ein City-Rucksack sind keine Option.
Unterkünfte: Berghütten sind keine Hotels. Es gibt Mehrbettzimmer oder Matratzenlager, einfache Mahlzeiten und eingeschränkte Sanitäranlagen. Spezialkost darf man nicht erwarten.
Gefährliche Passagen: Sie gehören naturgemäß dazu. Ein nasser Fels, ein Altschneefeld – das alles lässt sich im Frühsommer nicht wegorganisieren.
Eine Alpenüberquerung wird meistens nicht der bequeme Wanderurlaub, sonst wäre sie kein Abenteuer ;-) Es gibt Risiken, Anstrengungen, Unvorhersehbarkeiten.
Auf vieles davon kann man sich vorbereiten.
VORBEREITUNG: Wer noch nie auf einer Hüttentour war, kann zum Kennenlernen mit einer zwei- oder dreitägigen Tour starten. Im Sommer 2026 führe ich zum Beispiel auf "Tirols verborgenen Wegen" durch die Tuxer Alpen. Vier Tage, 26.8. - 29.8.2026, von Hütte zu Hütte.
Die Saison der Alpenüberquerungen beginnt Mitte Juni und das hat einen einfachen Grund. Sobald der Winter die letzten Hänge freigibt, öffnen auch die ersten Almhütten.




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