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Bitterkräuter: Beifuß - Die in Vergessenheit Geratene


Manche bezeichnen sie als die kleine Schwester des Wermut. Der Beifuß ist heute in vielen Teilen Europas zu finden, er versteigt sich dabei auch bis in 1.600 Höhenmeter. Den einen ist er lästiges Unkraut, den anderen wertvolle Ritualpflanze, Würz- und Heilkraut. Artemisia v. kann müde Füße wieder munter machen und zählt zu den Bitterkräutern, obwohl Schwangere sie meiden sollen gilt sie als Schutzpflanze, Göttin Artemis, der frisch gewordenen und stillenden Mütter. Den Persern, Römern und Griechen war sie eine der wichtigsten Heilpflanzen.


Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe, wie etwa auch der Bitterkeit, variiert auch bei Artemisia v. je nach Exposition und Bodenbeschaffenheit. Für den bitteren Geschmack, der uns für die Entgiftung zu Hilfe kommt, sind die Sesquiterpenlactone, ein komplex zusammengesetztes ätherisches Öl.

Zu finden sind auch Kampfer, Thujon, Santonin

u.v.m. Schwangere und stillende Frauen sollten aufgrund des Thujon-Gehaltes auf den Beifuß verzichten.


Hingegen des Wanderers müde Füße vermag er wieder munter zu machen, Beifuß wirkt anregend auf die Durchblutung. Dazu kann man ein Öl mit dem Beifußkraut ansetzen. 3 Wochen ziehen lassen, filtern und bei Bedarf Füße und Beine damit einreiben.


Weitere Inhaltsstoffe

Gerbstoffe, andere Bitterstoffe, Inulin, Flavonoide, Cumarine sowie Vitamine. Die enthaltenen Bitterstoffe regen die Bildung von Magensaft und Gallenflüssigkeit an und unterstützen so die Verdauung, so wird Artemisia auch in der Küche als Gewürzpflanze zu fetten, schweren Fleischgerichten genutzt, so auch eine Empfehlung von Hildegard von Bingen.


Rezept für eine Gewürzmisch:

50 g getrocknete Beifuß-Blätter

50 g getrocknete Bohnenkraut-Blätter

10 g Pfeffer


In der traditionellen chinesischen Medizin findet er Verwendung in der Moxa-Therapie.


Kann man Artemisia v. verwechseln?

Ja, mit dem Blauem Eisenhut, der giftigsten Pflanze in unseren Breiten. Seine Blätter sehen sich ähnlich, im Gegensatz zu den Beifußblättern sind sie an der Unterseite allerdings nicht weißfilzig.


Erntezeit

Man findet Artemsia v. an Wegesrändern, Straßenrändern sowie auf Geröllhalden. Die krautige Staude ist mehrjährig und in Europa, Asien sowie Nordamerika beheimatet. Erntezeit von Juli bis Oktober, solange die Blütenkörbchen noch geschlossen sind schneidet man die oberen Triebspitzen ab. Die Erntezeit für die Wurzel ist so wie bei vielen anderen Kräutern auch der Spätherbst.


Geschichte

Im 11. Jahrhundert als „Mutter der Kräuter“ bezeichnet, galt der Beifuß als Mittel erster Wahl zur Behandlung von Frauenkrankheiten, gefolgt von Verdauungsstörungen und Harnstauung.

Plinius empfahl Wanderern, „Artemisia“ bei sich zu tragen, um auf Reisen nicht müde werden.


Wirtschaftliche Bedeutung

In Nordafrika und Südeuropa wird Artemisia zur Gewinnung von Öl für die Parfümindustrie angebaut, durch Wasserdampfdestillation wird aus den getrockneten Pflanzen „Essence d’Armoise“ gewonnen.


Beifuß gehört zu den Grutbier-Kräutern. Grut ist eine variabel mischbare Zusammensetzung von Kräutern, die zum Würzen von Bier verwendet wird. Sie waren über Jahrhunderte entlang der Nordseeküste weit verbreitet, wurden zunehmen durch das Hopfenbier verdrängt und sind wieder im Kommen. Ausgehend von den USA hat sich 2013 eine weltweite Initiative von Kleinbrauereien gebildet, die den 1. Februar als Internat. Tages des Grutbieres feiert.


Trivialnamen: Besenkraut, Fliegenkraut, Gänsekraut, Johannesgürtelkraut, Jungfernkraut, Sonnenwendkraut, Weiberkraut, Wilder Wermut oder Wisch


Brauchtum

Das Beifuß-Kraut wurde bei den Germanen zur Sommer- und Wintersonnenwende (vor allem in den zwölf Rauhnächten) zusammen mit anderen getrockneten Kräutern zur Abwehr von bösen Geistern in Häusern und Ställen als Räuchermittel genutzt.



Im Mittelalter galt es als sehr wirksames Mittel gegen und für Hexerei, war Bestandteil vieler heilmagischer Rezepturen. Am Dachfirst mit den Spitzen nach unten geheftet, soll Artemisia Blitze abwehren und Seuchen fernhalten. Derlei Bräuche gibt es viele, so sollen auch geweihte Palm-Buschen das Haus vor Unwettern schützen.


Beifuß gegen Malaria, Artemisa annua

Der Einjährige Beifuß, Artemisia annua, gilt als bedeutendes Mittel in der Therapie von Malaria in Afrika und Südostasien. Der extrahierte Inhaltsstoff Artemisinin kann in Kombination mit anderen pharmazeutischen Mitteln Malaria binnen weniger Tage heilen. In Untersuchungen zeigten sich Hinweise darauf, dass die Blätter der Beifuß-Pflanze die Malaria-Erreger besser hemmen als chemische Medikamente. Artemisia annua kam zuletzt auch in der Begleitung von viralen Erkrankungen ins Gespräch. Mit Artemisia annua werden wir uns hier später beschäftige.

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